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Was Google sein Chrome ist Mozilla sein Firefox

Kürzlich hatten wir hier im ersten Teil unter dem Tiel „Nokias Enkel attackieren Googles Androiden“ die Besonderheiten und Aussichten der Linux basierten Betriebssystem Sailfish und Tizen betrachtet. Diesmal fällt unser Augenmerk auf Mozillas Firefox OS und Ubuntu, bevor wir zusammenfassend einen Blick in die Zukunft wagen.

Mozilla | Firefox OS Mozilla Firefox OS

Einen gänzlich anderen Ansatz wählt Mozilla mit dem Firefox OS, welches nicht auf Linux, sondern auf HTML5 basiert. Große Pluspunkte sind laut Mozilla die große Entwicklergemeinde und die finanziellen Vorteile für die Mobilfunkanbieter, welche via Firefox OS wieder eigene Inhalte abrechnen und bei Apps endlich mitverdienen können.

Firefox OS hat in der Tat das Zeug Android von unten her erfolgreich anzugreifen. Die Anlehnung an HTML5 eröffnet Zugang zu einer großen Entwicklergemeinde, welche Ihre Codes nicht erst groß umschreiben muss, oder gar eine neue Programmiersprache zu erlernen hat. Außerdem sollen dank Open Web Standard auch Android Apps problemlos dort laufen. HTML5 erlaubt zudem eine reibungslose Integration des mobilen Browsers ins Betriebssystem – um nicht zu sagen: das ist eigentlich der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Sache. Da viele Apps lediglich dazu dienen Medieninhalte vom Gerät oder aus dem Web aufzubereiten und wiederzugeben, reicht das Browserfenster als Nachrichtenzentrale, Cloud-Zugang oder Medienplayer vollkommen aus, was ja auch bei heutigen Geräten oft schon der Fall ist. Der Vorteil für die Entwickler und Nutzer drückt sich auch im Preis aus und markiert gleichzeitig die Grenzen des Machbaren. Firefox OS wird eher im unterem bis mittlerem Marktsegment zuhause sein. Anspruchsvollere Apps lassen sich so nicht realisieren, was ein Vordringen ins sog. Premium-Segment erschwert.

Da Mozilla bei den Nutzern schon jetzt einen vertrauenswürdigen Namen hat, immerhin surfen rund 40 Prozent der Deutschen mit dem Firefox durchs Web, darf man auch hier von einem erfolgreichen Start ausgehen, erstrecht, wenn man sich die Liste der Unterstützer ansieht: dazu zählen unter anderem Huawei, ZTE, LG, Telefonica, TIM, T-Mobile, Sprint, Etisalat und Telenor.

Canonical | Ubuntu

Der letzte im Bund ist Mark Shuttleworth’s Canonical mit dem Ubuntu OS. Der mobile Ubuntu-Ableger basiert, wie Sailfish OS und Tizen, auf Linux und wird in Kooperation mit Qualcomm entwickelt. Aufgrund geringer Skaleneffekte bei den Desktop- und Laptop-Rechnern dürften auch die Synergie-Effekte im Smartphone-Bereich überschaubar sein. Da bisher auch seitens Canonical keine wesentlichen Anstrengungen i.S. Markteintritt etc. zu bemerken waren, ist Ubuntu vorerst zu vernachlässigen und läuft wohl eher unter der Rubrik „me too!“ was die mobilen Ambitionen angeht.

Fazit

Als Gewinner unter den OS Newcomern darf man Samsungs Tizen und Mozilla’s Firefox OS ansehen, welche auf Kosten von Googles Android, und mit Wohlwollen der Mobilfunkbetreiber, rasch nennenswerte Marktanteile ergattern werden. Nokia bzw. Windows und BlackBerry werden wohl ihre Nische verteidigen können, aber voraussichtlich keinen zweistelligen Marktanteil zurückerobern. Das Interessanteste an Nokia wird die Navigationsplattform „HERE“ sein, welche dann auch bei Mozillas Firefox OS zum Einsatz kommt und nach der neuen Firefox Cookie-Regelung der nächst Schlag in Googles Kontor ist. Jolla ist zu wünschen, dass sie den Vorschusslorbeeren gerecht werden und durch bestechendes Software-Design eine Alternative zum iPhone anbieten werden. Und Ubuntu ist aus heutiger Sicht lediglich für eingefleischte Linux-Fans eine Wahl.

Weiteres zum Thema native Apps versus HTML5 gibt es hier zu lesen:
mobile zeitgesit Special

Dieser Artikel erschien zuvor als Gastbeitrag für mobile zeitgeist

Nokias Enkel attackieren Googles Androiden

Der Mobilfunkmarkt ist seit jeher hart umkämpft, das gilt für die Netzbetreiber, ebenso, wie für die Hardwareerzeuger und nicht zuletzt auch für mobile Betriebssysteme. In der Presse ist dann gern von „Smartphone Wars“ die Rede. Die jüngste Kampfansage wurde auf dem Mobile World Congress (MWC) 2013 in Barcelona verkündet und betrifft das Schlachtfeld „Betriebssysteme“ mit der dazugehörigen Hardware. Die Angreifer Jolla, Mozilla, Canonical und Samsung wollen den derzeitigen Platzhirschen Apple und Google den Rang ablaufen. Diese beherrschen die Welt der Smartphones und Tablet-Computer derzeit mit einen Marktanteil von 87.6% aller verkauften Smartphones, wie das Wall Street Journal schreibt.

Die Protagonisten vergangener Tage haben sich entweder selber demontiert, wie im Falle Nokias mit dem berühmten „Burning Platform“ Memo, oder haben das Feld mehr oder minder kampflos den Neuankömmlingen aus den USA überlassen, wie im Fall von BlackBerry.

Besonders tragisch ist die Fehlentscheidung Nokias, sich von Symbian und Maemo, alias MeeGo, zu trennen. Symbian hatte 2010 noch einen Marktanteil von über 30 Prozent und MeeGo hätte Nokia auf Apple-Niveau gehievt. Statt Nokia starten jetzt zwei andere Akteure mit den MeeGo-Hinterlassenschaften in eine, wie es aussieht, erfolgreiche Zukunft: nämlich Jolla mit dem Sailfish OS und Samsung mit Tizen. Womit wir auch schon beim Thema sind.

MeeGo wurde in Kooperation von Nokias Maemo- und Intels Moblin-Projekt entwickelt. Referenzprodukte wie das Nokia N900 oder N9 bekamen durchweg gute Kritiken. Das N9 war bis dato sogar das einzige Smartphone, das bei Vergleichstests je besser abschnitt als das iPhone, wie der Marktkenner Tomi Ahonen zu berichten weiß. Aber das kümmerte bei Nokia niemanden. Die MeeGo-Kooperation mit Intel wurde gekündigt und Intel fand mit Samsung einen neuen Partner.

Samsung/Intel | Tizen OS

Samsung hatte bereits mit Bada ein eigenes Betriebssystem am Laufen, welches jedoch in Europa und den USA nicht so forciert wurde. Das dürfte sich mit Tizen ändern. Man darf vielleicht sogar darauf spekulieren, dass Samsung mit Tizen Googles Android-Dominanz brechen wird, da neue Smartphones vermutlich eher mit Tizen als mit Android an den Start gehen werden, was wiederum den Mobilfunkprovidern zu passe käme, da diesen das Duopol von Apple und Google ein Dorn im Auge ist.

Tizen ist eine Linux basiertes Open-Source Plattform für Smartphone, Tablet-PC, TV und Laptop, mit einer namhaften Unterstützergemeinde. Dazu zählen unter anderem Hardwarehersteller wie Samsung, Huawei, Fujitsu, NEC und Panasonic, sowie Mobilfunkprovider wie NTT DoCoMo, SK Telecom, Telefonica, Orange, Sprint und Vodafone.

Jolla | Sailfish OS jolla

Ein weiterer Newcomer aus der Nokia-Hybris ist die finnische Jolla mit ihrer auf Linux basierenden MeeGO Weiterentwicklung namens Sailfish OS. Das Jolla-Team geht aus dem ehemaligen Nokia-Entwicklerteam für MeeGo hervor und wird umweht von einem Spirit, wie man ihn sonst nur von Apple kennt. Dieser Coolness-Faktor und die Ankündigung, dass die meisten Android-Apps problemlos auf Sailfish laufen sollen, verschaffen den Finnen beste Startbedingungen. Zumal sie mit dem Nokia N9 ein von der Fachwelt hochgelobtes Referenzgerät vorzuweisen haben. Zwar wird Jolla nicht den Massenmarkt erobern, doch das haben die smarten Finnen auch gar nicht vor. Zu erwarten ist hier eher ein geniales Softwaredesign als Apple-Alternative im Premium-Segment.

Soweit für jetzt. Im nächsten Teil geht es um HTML5 und Mozillas Firefox OS, sowie um die Aussichten für Ubuntus mobile Ambitionen. Stay tuned!

Dieser Artikel erschien zuvor als Gastbeitrag bei mobile zeitgeist